
Als Rektum (End- oder Mastdarm) werden die letzten 16 Zentimeter des Darms bezeichnet, die unmittelbar an den Darmausgang (Anus, After) angrenzen. Der Abschnitt des Darms, der dem Rektum vorgeschaltet ist, wird als Kolon (Dickdarm) bezeichnet. Bösartige Geschwüre, die aus den Schleimhautzellen dieser Darmabschnitte hervorgehen werden als kolorektale Karzinome bezeichnet und machen etwa 95 bis 98 % aller bösartigen Erkrankungen des Dick- und Enddarms aus. Sie sind in Deutschland sowohl bei Frauen als auch bei Männern die zweithäufigste Tumorerkrankung überhaupt. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird für beide Geschlechter jeweils auf 35.000 geschätzt. Bei den tumorbedingten Todesursachen ist der Darmkrebs ebenfalls mit jeweils fast 15.000 Todesfällen die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache Ursache bei Männern und bei Frauen.
Wenngleich im Sprachgebrauch häufig der Begriff des Dickdarmkrebses für alle Karzinome aus Kolon und Rektum verwendet wird, so unterscheiden sich die Darmabschnitte u.a. in der Embryologie, Therapie, Prognose und Häufigkeit der Tumorlokalisation deutlich. So weist das Rektumkarzinom im fortgeschrittenen Stadium eine deutlich schlechtere Prognose auf. Obwohl das Colon wesentlich länger als das Rektum ist, sind etwa 35 % aller bösartigen Dickdarmgeschwüre im Enddarm gelegen, deren Therapie sich heutzutage grundlegend von der Therapie der Kolonkarzinome unterscheidet.
Während bis vor wenigen Jahren die Therapie der Wahl die Operation mit anschließender Bestrahlung und kombinierter Chemotherapie (sogenannte Radio-/Chemotherapie – RT/CT) war, haben zahlreiche Untersuchungen gezeigt, dass einige Patienten von einer RT/CT noch vor der eigentlichen Operation profitieren. Diese sogenannte neoadjuvante oder präoperative RT/CT wird derzeit als Standardtherapie in Deutschland für lokal fortgeschrittene Tumore des unteren und mittleren Rektumdrittels empfohlen. Sowohl für Patienten in einem sehr frühen Stadium, wie auch bei einem weit fortgeschrittenen Stadium erfolgt derzeit keine präoperative Therapie.
Praktisch bedeutet dies, dass Patienten, nachdem die Diagnose Enddarmkrebs gestellt wurde, im Vorfeld der Therapie eingehend untersucht werden. Diese auch als „Staging “ bezeichnete Untersuchung erhebt Befunde über die exakte Höhenlokalisation des Tumors im Enddarm, dessen Eindringtiefe sowie das Vorhandensein von Absiedlungen. Neben der Computertomographie stellt die Endosonographie die entscheidende Untersuchung dar.
Dem Stadium der Erkrankung entsprechend erfolgt dann die Therapie, welche möglichst im Rahmen klinischer Studien durchgeführt wird. Der große Vorteil klinischer Studien ist die standardisierte Behandlung von Patienten, die zum einen eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse ermöglicht, zum anderen aber auch dem Patienten die Sicherheit gibt, nach einem fest vorgegebenen Protokoll behandelt zu werden. Derzeit werden Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom des unteren und mittleren Rektumdrittels im Rahmen der CAO/ARO/AIO-04 Studie behandelt. Hierbei werden zwei unterschiedliche Chemotherapieregime untersucht. Auf der einen Seite die Behandlung mit 5-Floururacil (5-FU) allein und auf der anderen Seite die Kombination von 5-FU mit Oxaliplatin. Beides erfolgt zusammen mit einer Strahlentherapie.
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